Menschen und Bäume leben schon lange zusammen, sehr lange. In dieser Zeit hat sich viel verändert und uns wird einmal mehr bewusst, wie wichtig der Wald, wie wichtig die Bäume für uns, für unser Ökosystem sind. Aber was uns vielleicht nicht so bewusst ist: wie wichtig Bäume schon immer waren, seit Jahrtausenden und nicht nur fürs Ökosystem. Bäume sind ein Schlüssel für die Zukunft!

Bäume,
die die Welt bewegen
Im Herbst zeigt sich die Natur von ihrer vielleicht schönsten Seite. Die Laubbäume strahlen bei Sonne in Farben, die so nur schwer zu malen sind. Die Pracht werfen sie dann ab und stehen den Winter über da wie abgestorben. Bei den ersten Frühlingstemperaturen kann man dann aber die ganze Macht des inneren Systems eines solchen Baumes entdecken, wenn frisches Grün austreibt und das Leben von Neuem erwacht.
Mächtig waren sie aber schon immer, die Bäume, nicht nur die Tropenwälder, weit weg von unseren heimischen Wäldern. Ökosysteme und seit Jahrtausenden Kulturlandschaften. So richtig klar wird das lange dynamische Zusammenleben von Menschen und Bäumen, wenn man entdeckt, dass etwa Eiche, Teak, Kautschuk und Mahagoni die Weltgeschichte wesentlich mitgestaltet haben.
Diese vier Baumarten haben unsere Kulturen ebenso wie die Wirtschaft und die gegenwärtigen politischen Landkarten tiefgreifend beeinflusst. Umgekehrt wirken sich die wirtschaftlich und politisch getriebenen Kraftfelder seit Jahrtausenden auf den Wald aus und das nicht unbedingt positiv. Schon vor einigen Jahrtausenden wurden einzelne Baumarten systematisch genutzt, gefördert und nachgezogen.

Beispiel:
Die Eiche – frühe Nahrungsquelle
Auch das intime Verhältnis zwischen Menschen und Eichen beginnt früh. Die Rückwanderung beider, der Eichen und der Menschen, aus den eiszeitlichen Refugien im Süden Europas zurück in unsere Breitengrade begann vor etwa 12.000 Jahren mit der Wiedererwärmung des Klimas. Die «Wiederansiedlung» der Eichen haben unsere Vorfahren so aktiv unterstützt, weil die Eicheln damals menschliche Nahrung waren und über große Distanzen transportiert wurden. Leider gingen sie nicht selten verloren oder wurden irgendwo als Vorrat eingelagert – aber dann vergessen oder nicht mehr gefunden. Schon Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung gibt es noch andere Nutzungsformen: die Eichelweide, das Mästen der Schweine in den Herbstwäldern eben wieder mit den Eichenfrüchten, denn Dezember war dann Schlachtzeit.
In der mittleren Steinzeit rückt das Holz in den Fokus des Menschen. Ackerbau und Sesshaftigkeit setzen in Mitteleuropa vor rund 7500 Jahren ein und die Menschen beginnen auch mit einer gezielten Bewirtschaftung von Eichenwäldern, um sich optimales Bauholz zu sichern.
Die Eiche wird immer wertvoller. Das Holz der Bäume war vor allem bei den seefahrenden Nationen im 18. Jahrhundert in Europa so bedeutend wie Erdöl heute.
Hintergrund: die Herrschaft über die Weltmeere, speziell um die Absicherung der Handelsrouten zu den Kolonien.

Was für ein Gewächs – diese Eiche! Nähr- und Fruchtbaum, Lieferant von wasserfestem Holz. So wird sie jahrtausendelang entsprechend gefördert und gehätschelt. Ihr Verbreitungsgebiet geht weit über das natürliche Potential hinaus und es entstehen vom Menschen mitgestaltete eichenreiche Wald- und Kulturlandschaften mit viel mehr Eichen, als das in einer biologischen, ausgeglichenen, ungestörten Waldlandschaft der Fall gewesen wäre.
Kein Happy End für die Eiche? Lesen Sie selbst nach und tauchen ein in die von Christian Küchli spannend aufbereiteten und teils erstaunlichen Fakten! Der studierte Forstingenieur war von 2000 bis 2018 Sektionschef der Abteilung Wald im Bundesamt für Umwelt und verantwortlich für internationale Waldpolitik und Waldbau, speziell zum Thema ‚Anpassung der Wälder an den Klimawandel‘.

Bäume, die die Welt bewegen
Eiche, Teak, Kautschuk und Mahagoni – ein neuer Blick auf die Globalisierung
Christian Küchli
ISBN: 978-3-03902-302-8










