
In einer sonst so fortschrittlichen Gesellschaft leiden sie immer noch an ihrem schlechten Image aus dem Mittelalter, obwohl bereits 2018 eine Auswertung von Forschungsergebnissen Erstaunliches zutage brachte!
FREISPRUCH FÜR DIE RATTEN
Ratten und Rattenflöhe waren wohl doch nicht die Hauptschuldigen am „Schwarzen Tod“. Menschenflöhe und Kleiderläuse verbreiteten hauptsächlich die Seuche. Dies sind aktuellen Forschungsergebnisse, veröffentlicht im Fachblatt `Proceedings of the National Academy of Science` und sollten zum Umdenken Anlass geben.

Intelligent und feinfühlig, vorbildlich und völlig falsch eingeschätzt
Die Wissenschaft weiß längst, dass die Zahlen zum Thema Krankheitsüberträger Ratte im Internet überholt sind, vor allem, wenn es um zivilisierten „sauberen“ Lebensraum geht, also auch um unsere Natur. Leider verbreiten sich auch falsche Infos schnell im Netz, weil einer gerne vom anderen abschreibt und so leiden die Tiere auch weiterhin unter ihrem falschen Image.
Es ist ein Glücksfall
wenn Ihnen schon einmal in Ihrem Garten eine Wanderratte begegnet ist! Die Nager sind sehr scheu geworden, um der Verfolgung durch den Menschen zu entgehen. Wenn Sie Ratten schon einmal länger beobachten konnten, haben Sie vielleicht erstaunt gedacht … hab ich mir ganz anders vorgestellt … so lieb …
Im ältesten Zoo der Welt, mitten in der kaiserlichen Sommerresidenz Schönbrunn in Wien, einer einzigartigen Verbindung von Kultur und Natur, kennt man längst das wahre Bild von Ratten. Gleich drei verschiedene Arten der Nager kann man dort beobachten und sich davon überzeugen, wie faszinierend und intelligent diese Tiere sind. In der westlichen Kultur ist die Ratte hauptsächlich mit negativen Attributen behaftet. Im asiatischen Raum hingegen steht sie für Intelligenz, Ehrlichkeit und Kreativität.


Unglaublich! Im Hindu-Tempel Karni-Mata in der kleinen indischen Stadt Deshnok nahe der pakistanischen Grenze leben Mönche mit geschätzten 20.000 Ratten zusammen – ganz ohne Scheu – beiderseits. Manchmal essen Sie sogar aus den gleichen Schüsseln. Die Nagetiere nähern sich gerne den Besuchern, erzählen die Priester. Läuft einem eine Ratte über die Füße, bedeutet das Glück. Nun stellen Sie sich mal vor: Das würde Ihnen im heimischen Garten passieren!? Au weia!


An diesem extremen Beispiel erkennt man aber gut die Schräglage in Sachen Ratten-Image. Die Nager sind hochsoziale, empathische und kooperative Tiere. Verhaltensforscher heben ihre Prosozialität (das absichtliche Helfen von Artgenossen) und ihre Gegenseitigkeit (Reziprozität) hervor. Futter wird geteilt und man befreit sich gegenseitig aus Notsituationen: Sogar spielerisches Verhalten wie Versteckspielen wurde entdeckt, wobei hier immer wieder ein »Rollentausch« stattfindet. Mal selbst verstecken, mal suchen. Wie menschlich.
Ratten sind Vorzeige-Eltern, kümmern sich selbstlos um ihren Nachwuchs und haben viel Freude beim Toben. Dabei geben sie Laute von sich, die die Wissenschaft als freudiges Lachen einstuft. Das findet im Ultraschallbereich statt und ist deshalb für unser Ohr nicht hörbar - leider. Brächten Sie es dann noch übers Herz, Giftköder auszulegen? Dieses große Leid, der manchmal stundenlange Todeskampf. Das müsste der Mensch den harmlosen Mitbewohnern der Natur nicht antun. Es geht auch anders: nichts Essbares auf den Kompost und bei Bedarf Lebendfallen aufstellen und die Tiere in der Natur, am besten in Wassernähe aussetzen.

Niemals herkömmliche Schlagfallen aufstellen, da die Tiere darin meist nicht sofort tot sind und leiden! Kein Rattengift auslegen. Dies ist seit April 2026 aus Artenschutzgründen verboten. Auch hier ist die Wissenschaft schon weiter. In New York nutzt man mittlerweile die Pille für die Ratte! Sie wirkt bei Weibchen und Männchen gleichermaßen. Unkontrollierte massenhafte Ausbreitung wird dauerhaft verhindert.
Ähnliche natürliche Mittel, welche die Fruchtbarkeit der Nager bremsen, gib es auch bei uns schon, bestellbar im Internet. Auch unsere Landeshauptstadt München nutzt bereits die neuen Möglichkeiten. Große Tierschutzorganisationen sehen darin einen gewaltigen Schritt gegen Tierleid und hin zur Menschlichkeit. Letztlich möchten die intelligenten Tiere genau das gleiche wie wir: in Ruhe leben.
„Ratten sind die besseren Menschen“,
... damit meint man wohl den angestammten Charakter, die soziale Einstellung der Nager, bestätigt in spannenden Forschungen an der Humboldt Universität in Berlin sowie an den Unis Bern, Göttingen, Düsseldorf oder Heidelberg. Man hat herausgefunden, dass Ratten ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um ihre Jungen und Artgenossen aus großer Not zu retten und sie engagieren sich sehr für die Gemeinschaft. Das Institut für Ökologie und Evolution an der Universität Bern untersucht tiefere Zusammenhänge zwischen Verhalten und ökologischen und sozialen Bedingungen und wird so auch wissenschaftlich fundiert das über Jahrhunderte verfälschte Bild unserer heimischen Ratten zurechtrücken können und so für mehr Verständnis und die Erhaltung unserer Natur sorgen.
Die Hausratte gilt mittlerweile als eine der seltensten Säugetierarten Deutschlands, direkt vor der Wanderratte, die auch kein leichtes Leben hat. Bisher mussten von Städten und Gemeinden wegen angeblicher Rattenplagen Giftköder in Kanalisationen angebracht, die für einen qualvollen Tod der Tiere sorgten. Man weiß längst, dass herkömmliche freilebende Ratten sehr sauber sind, gerne schwimmen und sich sogar ähnlich unserer Katzen intensiv putzen.
Die Pest gibt es längst nicht mehr, aber die Falschinformation, Ratten würden gefährliche Erreger verbreiten, hält sich wacker. Analysen haben gezeigt, dass die Ansteckung von Menschen mit gefährlichen Viren und Bakterien durch Ratten so gut wie ausgeschlossen ist. Die Wahrscheinlichkeit liegt rein statistisch im Bereich von etwa 0,1 Fall pro 100.000 Personen.
Sauber, intelligent und achtsam. Sie spielen gerne mit ihren „Kindern“ und toben mit anderen Artgenossen. Eine zutrauliche Ratte lässt sich sogar gerne zwischen den Vorderbeinen und am Brustkorb kitzeln. Das bereitet ihr offensichtlich größtes Vergnügen, und doch sind die Nager zu einem Leben in Dunkelheit verurteilt. Man fragt sich zwangsläufig: Was macht diesen großen Unterschied zwischen der Ratte als Schmusetier aus dem Zoogeschäft und der freilebenden Ratte?
Vielleicht die Unwissenheit, die Angst vor dem Unbekannten?
Aufklärung ist dringend nötig.
Hierzu tragen engagierte Menschen wie Andrea Wiesner in ihrer Akademie für tiergestützte Therapien bei. Ein großes Team von Fachleuten nutzt Ratten und andere Tiere bei verschiedenen Erkrankungen und bei Autismus Spektrum sowie ADHS, aber mit zahmen Ratten betreibt Andrea Wiesner z. B. an Schulen bei angehenden Lehrkräften auch wertvolle Aufklärungsarbeit und unterstützt so ein längst überfälliges Umdenken zum Thema falsches Ratten-Image.

Mehr zur vielschichtigen Arbeit der Akademie findet man unter www.akademie-tiergestuetzt.com
In einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft sollte man sich nicht von althergebrachten Falsch-Informationen leiten lassen, sondern offen und interessiert sein für neue wissenschaftliche Fakten. Die hatte der große Mahatma Gandhi noch nicht. Aber er galt schon immer als Verfechter von Gewaltlosigkeit im Umgang mit Menschen und allen Tieren. Christliche Moral war für ihn untrennbar mit dem Respekt und Mitgefühl für alle Lebewesen.
„Die Größe einer Nation und ihren moralischen Fortschritt sieht man daran, wie sie ihre Tiere behandelt.“
Mahatma Gandhi
Unsere heimische Wanderratte ist in über 10 Zoos im deutschsprachigen Raum „beheimatet“. Auf diese Weise möchte man den Besuchern die Vielfalt und Intelligenz dieser Tiere näherbringen.
Der Kölner Zoo züchtet erfolgreich stark gefährdete Arten, genauso wie der Frankfurter Zoo. Dort – im Grzimekhaus, benannt nach dem ehemaligen Zoodirektor – kam am 18. September letzten Jahres eine Madagaskar Riesenratte zur Welt. Dies ist ein großer Erfolg für die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten und sehr besonderen Säugetierart. Auch dort leistet man einen zentralen Beitrag zum internationalen Artenschutz und zur Erhaltungszucht. Durch die Umkehrung des Tag-Nacht-Rhythmus mittels künstlicher Beleuchtung macht das Haus die oft bedrohte Fauna der Nacht für Besucher erlebbar.







