Mit der beschlossenen Krankenhausreform will man etwas tun gegen überfüllte Notaufnahmen, wo auch der Mangel an Fachpersonal immer mehr zum Problem wird. Düstere Prognosen aber auch bei der hausärztlichen Versorgung: Bis 2040 könnte jeder fünfte Hausarztsitz in Deutschland wegfallen! Wie kann man die Situation verbessern? Das fragen wir die, die es wissen müssen:
DIE HAUSÄRZTE.

Die Politik hat auf die drohenden Probleme, die sich vor allem in ländlichen Regionen bemerkbar machen werden, teils fragwürdige Lösungsvorschläge, die nicht nur bei Bürgern, sondern auch bei der Ärzteschaft teils kritisch gesehen werden. Geht es mit der ärztlichen Versorgung endgültig „den Bach runter“?
In einer Hausarztpraxis in Laaber im LKR Regensburg scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein. Statt Abbau steter Ausbau, um weiterhin eine bestmögliche „Rundum-Versorgung“ zu sichern. Vier Ärzt*innen und ca. 10 freundliche Mitarbeiter, die gemeinsam ein starkes Team bilden.
Kompetente Gemeinschaftspraxen gegen Versorgungsnotstand?
Dr. Jens Lunz und Dr. Claus Kröhling leiten ihre Praxis für Allgemeinmedizin, auch Lehrpraxis der Universität Regensburg, in Laaber. Sie konnten in den letzten Jahren durch stetige Verstärkung im Team die Patientenversorgung auf einem hohen Niveau halten. Es ist bekannt, dass man sich hier noch Zeit nimmt für die Menschen und ihre Probleme, nicht nur bei den Patienten, auch beim Team!
„Wichtig ist uns, dass wir alle, egal in welchem Arbeitsbereich, mit Freude unser Ziel verfolgen: Bestmöglichstes für unsere Patienten! Das geht natürlich nur mit entsprechend Personal. Und wie bekommt man das? Durch echtes Teamwork und entsprechendes Arbeitsklima. Wir sind auch für die Wünsche unserer Mitarbeiter da und versuchen auch, die individuellen Bedürfnisse zu erfüllen, gerade auch, was die Arbeitszeiten angeht. Familie und Beruf sind ja nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen!“, erklärt Dr. Claus Kröhling, einer der beiden Chefs in der Gemeinschaftspraxis.
Genau das war ein wichtiger Punkt bei Dr. Christina Burger. Die Familie. Als sie vor über 10 Jahren aufgrund der beruflichen Situation des Ehemannes ihr Arbeitsfeld als Anästhesistin an der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München aufgab und ihr für die Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin die moderne Landarztpraxis in Laaber sympathisch war. „Mittlerweile bin ich seit über 10 Jahren hier. Und ich fühle mich richtig wohl!“
Erst vor Kurzem kam dann eine weitere Verstärkung ins Team. „Mit Dr. Sarah Brunnhuber haben wir nun eine Fachärztin für Innere Medizin, die vom Krankenhaus zu uns wechselte, um hier ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin zu vervollständigen“, erfahren wir von Dr. Lunz.
Ein Vorteil ist, dass ich mich z. B. bei Erkrankung eines meiner Kinder sehr flexibel mit meinen Kolleg*innen absprechen und austauschen kann“, meint Dr. Sarah Brunnhuber. Mit den zwei Kolleginnen hat man in der Praxis eine WIN‑WIN-Situation geschaffen. Einerseits konnte die Versorgungsqualität erweitert werden, andererseits ist es den Kolleginnen gut möglich, ihre familiären Aufgaben und ihren Wunsch nach Berufstätigkeit unter einen Hut zu bekommen.

Unnötige Bürokratie – ein Grund für den Ärztemangel?
„Aus Befragungen von Ärzt*innen sowie Psychotherapeut*innen weiß man, dass sie jedes Jahr über 60 Arbeitstage nur mit den Aufgaben der ausufernden Bürokratie verbringen müssen. Gerade diese bürokratischen Arbeiten sind aber die häufigsten Gründe, welche niederlassungswillige junge Kollegen von der Übernahme oder Gründung einer eigenen Praxis abschrecken“, erklärt Jens Claudio Lunz. „Dies wird durch die geplante Einführung einer AU-Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag definitiv nicht besser. Auch könnte man durch Digitalisierung versorgungsrelevanter Prozesse eine deutliche und vor allem zeitnahe Erleichterung bei der Bürokratie schaffen – hier möchte ich z. B. nur den elektronischen Impfausweis erwähnen“, so Lunz.
Erleichterung durch Arbeitsteilung mit dem Apotheker?
Eine weitere Idee der Regierung: Bei Impfungen sollen künftig Apotheken für Entlastung in den Praxen sorgen. „Vorsicht!“, so Kröhling. „Impfen darf ja nicht auf die Injektion eines Impfstoffes reduziert werden. Vielmehr muss man auch die Vorgeschichte des Patienten kennen, die möglichen Kontraindikationen individuell abschätzen können und natürlich auch das Fachwissen haben, wenn es zu möglichen Reaktionen kommt. In seltenen Fällen kann der Kreislauf reagieren oder allergische Reaktionen treten auf. Spätestens hier ist die Erfahrung eines Arztes nötig!“ „Ob durch das Impfangebot in Apotheken wirklich die Impfverdrossenheit in der Bevölkerung verbessert werden kann? Auch hier, denke ich, ist das ärztliche Gespräch aufgrund des über Jahre aufgebauten Vertrauensverhältnisses zum Patienten nicht zu unterschätzen“, so Dr. Lunz.
Digitalisierung – aber an der richtigen Stelle
Gerade ältere und gebrechliche Patienten sind heute schon komplett hilflos im Kampf mit Anrufbeantwortern und KI-unterstützten technischen Ansagen, wenn sie einen Arzttermin benötigen. Bei der Allgemeinpraxis in Laaber ist hier der persönliche Kontakt eine große Erleichterung. Auch wenns mal ein, zwei Minuten in der Warteschleife dauert. Man weiß, am Ende ist doch ein „echter Mensch“ am anderen Ende der Leitung, der genau weiß, wie man helfen kann!
Zu wenig Anreize für den Arztberuf?
Dr. Claus Kröhling: „Man sollte auf jeden Fall Studierende frühzeitig in Hausarztpraxen einsetzen und für die Niederlassung begeistern. Das kann im Praxisalltag sehr gut funktionieren. Sicher sind auch die langen Arbeitszeiten eine Abschreckung, aber dem könnte man mit Möglichkeiten wie z. B. einer Gemeinschaftspraxis und entsprechender Arbeitsteilung entgegenwirken. Auch die Möglichkeit der Teilzeitmodelle für Ärztinnen und Ärzte sollte gefördert werden. Viele junge Ärztinnen und Ärzte arbeiten laut einer Analyse künftig lieber in Teilzeit oder Anstellungen, statt eine eigene Praxis zu eröffnen. Man sieht es ja in unserer Praxis recht deutlich, wie das wunderbar umgesetzt werden kann.“
Fortbildungen anbieten
„Der Gesetzgeber sollte durch entsprechende Angebote die Qualifizierung der medizinischen Fachangestellten fördern und das sollte für Interessierte auf jeden Fall kostenlos sein“, ist Dr. Jenz Claudio Lunz überzeugt. „Auf diese Weise entscheiden sich die Interessenten leichter und letztlich stehen in Zukunft mehr fachlich kompetente Mitarbeiter zur Verfügung.“
Im Jahr 2024 arbeiteten insgesamt 121.000 aus dem Ausland zugewanderte Ärztinnen und Ärzte in der Human- und Zahnmedizin. Das ist rund ein Viertel der gesamten Ärzteschaft. Auf diese Weise kann man das Problem sicher etwas entzerren, aber in der Gemeinschaftspraxis Kröhling-Lunz in Laaber sieht man sehr deutlich, dass auch ansässige Ärztinnen und Ärzte gerne „aufs Land kommen, wenn die Rahmenbedingungen passen!“








