Zuckersteuer gibt es längst - nur nicht in Deutschland!

ABER NICHT IN DEUTSCHLAND


Das Ganze ist mittlerweile ein Dauerthema, aber die Entscheidungsphase zieht sich wie ein Karamell-Schokoriegel. Nun aber ist wohl in Planung, eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke ab 2028 einzuführen. Die Mehreinnahmen sollen dann zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung und zur Gesundheitsförderung eingesetzt werden. Das tun die Engländer schon lange! Seit 2018, und es gibt auch schon Erfolge zu vermelden: Immer weniger Kinder sind zu dick, der Zahnverlust bei Vorschulkindern ist ebenfalls zurückgegangen, Millionenbeträge gehen zweckgebunden direkt in Sport- und Ernährungsprogramme für Kinder. Frankreich erhebt schon seit 2012 Steuern auf Süßes und selbst auf den Philippinen wird die Abgabe seit fast 8 Jahren erhoben.


FIESTA MEXICANA 

– besser ohne Zucker


Pionier in Sachen Zuckersteuer sind die Mexikaner. Bereits seit 2014 kämpft man damit auch gegen die Volkskrankheiten des Landes: Fettleibigkeit und Diabetes. Scheinbar erfolgreich. Seit Einführung kauften Mexikaner etwa sechs Prozent weniger „Zuckerdrinks“ und ein internationales Forscherteam aus Mexiko, USA und Großbritannien schaut diesbezüglich in eine bessere und eindeutig gesündere Zukunft, wenn der Verzicht so aufrechterhalten bleibt. Die Forscher meinen, es könnte rund 190.000 weniger Diabetes‑Typ‑II‑Patienten geben, 20.000 weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte und letztlich würden 19.000 weniger Menschen frühzeitig versterben. Außerdem könnten beeindruckende 983 Millionen Dollar allein bei der Behandlung von Diabeteskranken gespart werden. Deutschland lahmt abgeschlagen hinterher. Andere wiederum sind schon viel weiter voraus.


Kasse machen - wichtiger als die Gesundheit?


Norwegen und Dänemark hatten zwar ebenfalls bereits sehr hohe Steuersätze eingeführt, Norwegen als sogenannte »Sodasteuer« schon 1981 mit zeitweise bis zu 44 Cent pro Liter, aber beide Staaten schafften die Steuer mittlerweile wieder ab, weil die Menschen beim Einkaufen in zuckersteuerfreie Nachbarländer wie Schweden auswichen. So entstand ein regelrechter Zuckertourismus! Ob das auf lange Sicht eine vernünftige Entscheidung war? Wieder einmal stehen offensichtlich wirtschaftliche Interessen über der Gesundheit der Menschen.


Die Liebe zum Zucker beginnt sehr früh


In den ersten Lebensjahren entwickeln sich Geschmackssinn und damit die Vorlieben, die meist über die ganze Kindheit hinweg bestehen bleiben. Also wäre eine sinnvolle Maßnahme für ein gesünderes Leben, von Anfang an auf überzuckerte Produkte zu verzichten, damit man sich gar nicht erst an den Geschmack gewöhnt … theoretisch. Aber mal ehrlich! Spätestens ab dem Kindergartenalter kommt man mit den von der Werbung angepeilten kleinen Konsumenten an den schön mit Comic-Figuren gestalteten „Kinder-Leckerlis“ doch nur noch ganz schwer ohne Zorn-Attacken vorbei. Klar, welche Kids interessieren sich in diesem Alter für Diabetes oder Herz-Kreislauf? Umso wichtiger, dass die Erwachsenen Bescheid wissen.

Öko-Test warnt regelmäßig vor extrem hohen Zuckerwerten in Kinderprodukten. Bunte, speziell für Kinder beworbene Artikel sind oftmals Zuckerfallen und manchmal wird sogar mit Gesundheitsversprechen geworben, obwohl die Produkte die Grenzwerte der WHO für kindgerechte Ernährung deutlich überschreiten. Im März hat Öko-Test 15 Kindermilchprodukte getestet. Süß, süßer, am süßesten: Kein Produkt im Test kam ohne Zuckerzusatz aus.


Die gute Nachricht: Die Zuckergehalte von 12 der 15 getesteten Produkte bewegen sich unterhalb der Grenze von 12,5 Gramm pro 100 Gramm. Den wenigsten Zucker enthalten mit 8,3 Gramm pro 100 Gramm die Fruchtzwerge weniger süß, Erdbeere, Aprikose Banane.


Die schlechte Nachricht: Drei Produkte, darunter der Müller Joghurt mit der Ecke Dracheneier + Joghurt Milchcrème-Geschmack sowie der Nestlé Smarties & Joghurt, enthalten mehr als 12,5 Gramm Gesamtzucker pro 100 Gramm. Sie dürften der WHO zufolge also gar keine an Kinder gerichtete Aufmachung haben. Den buchstäblichen Vogel schießt allerdings Lidl´s Eigenmarkenprodukt Milbona Safari Bunter Vogel Joghurt mit Schokolinsen ab, das mit seinem Gesamt-Zuckergehalt von 16,8 Gramm pro 100 Gramm die Vorgaben der WHO für derartige, an Kinder beworbene Milchprodukte deutlich überschreitet: Die WHO toleriert für drei- bis neunjährige Kinder einen täglichen Energiebedarf von umgerechnet maximal 15 Gramm freiem Zucker. Die Packung mit 175 Gramm Inhalt enthält aber allein schon 23 Gramm, also mehr als der von der WHO empfohlene gesamte Tagesbedarf für Kinder. Wir haben es in der Hand. Gut hinsehen beim Einkauf und in keine Zuckerfalle tapsen! Die ausführlichen Testergebnisse von 03/26 finden Sie unter www.Oekotest.de